Recording “in time” – Der Click- & Guide-Track

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Recording "in time" - das Feeling

Das Feeling und die Intensität der kreativen Performance lassen sich nur bedingt nach der Aufnahme herstellen, sondern maximal verbessern und aufwerten. Aber wo nichts vorhanden ist, kann auch schwer etwas hervorgestellt werden. Daher ist „Recording in Time“, also die Aufnahmen nach einem Herzschlag doch schon als essenziell anzusehen und hierfür kann ein Click-Track oder der Guide-Track die Orientierung sein.

 

Verbessere deine Aufnahme durch einen Click-Track und/oder Guide-Track!

 

Mit den digitalen Möglichkeiten kann der Anwender im Editierungsprozess, bevor es überhaupt an das richtige Mixing geht, viele Korrekturen und Manipulationen an der Aufnahme vornehmen. Hier können die Anschläge mehr auf den „Beat“ gesetzt, die Länge von Aufnahmen verlängern bzw. verkürzen oder eben auch die Tonhöhe und Intensität verändern werden. Für diese Bearbeitung gibt es zahlreiche Audio-Tools, wovon einige bereits bei den gängigsten DAWs mit an Board sind oder sogar in abgespeckter Form von anderen Plugin-Herstellen integriert wurden. Einige Tools sind aber auch zu stattlichen Premium-Preisen zusätzlich käuflich zu erwerben.

Das Editing und der Eingriff in die Performance

Was bewirkt jedoch das Editing? Hier wird ein Eingriff in die künstlerische Performance genommen und unter Umständen wird viel Zeit benötigt, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Und wenn du diesen Arbeitsschritt selbst in die Hand nimmst, muss du dich mit den Möglichkeiten und den Funktionen wahrscheinlich erst vertraut machen. Das kann schnell auch zur Frustration führen oder du korrigierst zu viel und schießt dabei über das Ziel hinaus. Es gibt Leute in der Musikbranche, die führen diese Tätigkeiten als Hauptberuf durch und zwar nur gewisse Editierungsarbeiten. Also ausschließlich Schlagzeugbearbeitung oder nur Tuning von Vocal-Aufnahmen. Warum? Weil diese Leute einfach phänomenale in ihrer Arbeit sind und ein Ergebnis abliefern, welches den Kosten-Nutzenfaktor perfekt erfüllt, wenn nicht sogar übertrifft.

Aber der Artist selbst, kann hier auch noch einen anderen Weg einschlagen und der ist gar nicht mal so kompliziert: Die Aufnahme an sich einfach „besser“ machen.

Der Herzschlag und die Anpassung

Sicherlich existieren Songs, die wirken hervorragend und wirken auch nur so, wenn diese frei und ohne Tempovorgabe gespielt sind. Diese Leben quasi davon, dass sie von keinem festgelegten Groove/Tempo beherrscht werden. Doch in der Regel hat ein Song einen grundlegenden Beat – einen Herzschlag, nach dem du dich selbst oder sich die gesamte Band richtet. Dieser Herzschlag kann durchaus auch eine Person in der Band sein. Nicht allzu selten ist es der Drummer oder der Rhythmus-Gitarrist, dem die gesamte Band folgt.

Wenn du slebst dieser „Herzschlag“ sein möchtest oder sein sollst, dann ist es notwendig, dass du “Timing-Sicher” bist und ein Tempo halten kannst. Gerne wird man ja in treibenden Passagen eines Songs schneller, kommt nicht mehr so schwungvoll aus einer Half-Time-Bridge heraus. Oder wie ich es selber oft erlebt habe, nach dem Fill eines Drummers ist dieser nicht so ganz wieder auf der Eins im Beat. Im Live-Betreibe ist das 100%-Timing nicht immer so auffällig wie bei einer Aufnahme, da der Zuschauer und Zuhörer wesentlich mehr Eindrücke verarbeitet als nur die Musik an sich. Bei einer Tonaufnahme sollte aber das Timing passen. Und damit ist nicht gesagt, dass du mit jedem Schlag millisekundengenau auf dem Beat sein musst. Das menschliche Feeling spielt natürlich eine große Rolle – vor allem bei handgemachter Musik. Wenn ich selbst Schlagzeugaufnahmen editiere, ist für mich ein Maß von 5-10 Millisekunden ein guter Richtwert. Es ist auch abhängig vom Song und dem gesamten Feeling. Soll es sehr „tight“ sein, dann setzte ich Schläge außerhalb dieser Range näher an die jeweilige Schlagzeit von dem Songtempo heran.

Und dennoch sollte sich diese Anpassung in einem gewissen Rahmen bewegen und hierfür gibt es hilfreiche Tools, die vor diesem Eingriff genutzt werden können.

Der Click-Track & Guide-Track

Der Click-Track

Die Mehrzahl aller Musiker hat, den wohl sehr gut bekannte Click-Track bereits schon mal auf dem Ohr gehabt. Gerne wird dieser mit einer Tonfolge: „BEEP, Bleep, Bleep, Bleep, BEEP,….“, eingestellt. Ich habe es gehasst! Es hat mich mehr genervt als unterstützt. Bei mir wurde es recht schnell ein „CLICK, Click, Click, Click“ wie bei einem analogen Metronom, doch dies war teilweise auch sehr schwer zu hören, da es nun auch nicht so den aufdringlichen Sound mit sich führt.

Um aber eine Song-Idee oder einen Ansatz einzufangen, hat das oft gut funktioniert. Zum Üben ist es durchaus ebenfalls empfehlenswert, ein Metronom parat zu haben.

 

Der einfache Drum-Beat

Du kannst aber auch einen Schritt weiter gehen und dir schon bereits für das Songwriting eine Drum- Spur als Guide-Spur zurechtlegen z. B. mit einem Standardbeat.

Logic X Pro User wissen sofort, dass sie hier den virtuellen „Logic Drummer“ einschalten können.

Alternativ hast du bei vielen DAWs Samples dabei oder schaust dich auf der Webseite von Toontrack um, die mit EZDrums ein wirklich tolles und in der Handhabung einfaches virtuelles Drummer-Tool geschaffen haben. ABER VORSICHT! Zum Songwriting oder auch für die erste Idee, kannst du dich schnell in den zahlreichen Varianten und Möglichkeiten verirren. Versuche es zu Anfang simple zu halten und nutze es als Timing-Vorgabe.

 

Der Guide-Track

Jetzt spielst du aber in einer Band und ihr habt im Proberaum euren Song zusammen fertig geschrieben, arrangiert, das Tempo festgelegt und bereits intensiv gemeinsam geprobt. Es ist Studio-Time und der Song soll nun aufgenommen werden. Als Audio-Engineer habe ich öfters die Szene erlebt, in der der Drummer einen Klick oder “Bleep” auf dem Ohr hatte und ein Gitarrist sowie Bassist zusätzlich mitspielten. Diese haben dem Drummer die Songstruktur als Orientierungshilfe zugespielt. Manchmal wurde dann noch der Sänger hinzugezogen, weil sich alle gemeinsam doch nicht so einig war, in welchem Song-Part man sich nun konkret befand.

Das Problem: Jedes Bandmitglied kannte den Song gut, aber nicht in- und auswendig bei jedem Anschlag oder einer der Mitspieler hat sich einfach verspielt und so denen aufnehmenden Schlagzeuger irritiert. Und es sei angemerkt – es gibt diese Drummer, die sich hinsetzen können und den Song, ohne ein anderes Bandmitglied, von dem ersten bis zum letzten Anschlag fehlerfrei auf den Punkt mit Groove und Feeling für die Aufnahmen abliefern. Es ist jedoch nicht die Regel und das ist auch nicht schlimm.

Du bzw. ihr als Band könnt euch die Studio-Zeit jedoch super angenehm gestalten, wenn ihr im Vorfeld (in dem jeweiligen Studio, aber besser noch im Vorfeld selbst zu Hause) die Songstruktur aufschreibt, das Tempo oder ggf. auch die Tempi-Wechsel festhaltet und danach eine GUIDE-SPUR aufnehmt.

Der Rhythmus-Gitarrist kann hier z.B. nach dem Klick/Bleep gerichtet den gesamten Song sauber mit einer einzelnen Spur einmal aufnehmen. Ein rudimentärer Sound reicht da vollkommen aus. Sollte der Drummer einen engen Bezug zum Bass-Sound haben, was ja nicht so selten vorkommt, legt dieser auch noch einmal seine Guide-Spur darüber und dann kann auch der Sänger einmal darüber singen. Lasst zu Anfang 4 oder 8 Schläge von einem Metronom zum Einzählen stehen, sowie ggf. in Parts in denen kein Schlagzeug spielt.

Hiervon exportiert ihr dann einfach alle drei Versionen (nur Gitarre, Gitarre + Bass, Gitarre+ Bass + Vocals zusammen) und der Drummer kann sich hier nach eigenständig in den eigenen vier Wänden oder im Proberaum auf die Studio-Session ausgiebig vorbereiten.

 

Seid ihr im Studio angekommen, habt ihr damit folgende Vorteile:

  • Der Songablauf steht, es gibt kein verzetteln mehr beim Mitspielen
  • Der Drummer hat eine sehr vertraute Guide-Spur auf dem Ohr und kann sich voll und ganz auf seine Aufnahme konzentrieren
  • Es ist für alle bedeutend, entspannter die Drum-Aufnahmen zu gestalten. Jeder der vor Ort ist, sein möchte oder sein muss, kann auf die Aufnahme achten und muss sich nicht um das Mitspielen kümmern
  • in der Regel werden die Aufnahmen besser. Somit muss im Nachhinein weniger, oder im besten Falle gar nicht mehr an den Drums editiert werden, bevor es zum nächsten Instrument geht

MEINE EMPFEHLUNG: Sendet dem Tontechniker vom Studio im Vorfeld die GUIDE-Spuren. Er kann so die Aufnahme-Session in der DAW vorbereiten und erhält gleich einen Überblick über den Song. Und ein Tontechniker, dem daran gelegen ist, mit dir/euch gute Aufnahmen zu erschaffen, ist dankbar über die Informationen vorab, da er sich so auch einen viel besseren Überblick erhalten kann.

Lösung & Fazit zum Click- & Guide-Track

Es ist nicht außer Acht zulassen, dass sich Fehler in einem Aufnahmeprozess wirklich von Anfang an bis zum Ende hin summieren. Ist der Drummer nicht „in Time“, dann groovt der Bass nicht, die Hook-Line der Lead-Gitarre erscheint daneben und der Sänger muss zigmal ansetzen, um auf die passende Lücke zu singen, in der eigentlich alle zusammenkommen sollten.

Wenn ihr als Band bereits bei den Schlagzeugaufnahmen darauf achtet, ein solides Fundament für „In-Time“ und „Groove“ zu schaffen, wird es euch viel Zeit und Stress im folgenden Aufnahmeverlauf ersparen. Und keiner der Anwesenden benötigt dann nach den Drums noch mal einen Klick/Bleep auf die Ohren – außer in Passagen, in denen keine Drums spielen. Aber selbst hier können für die finale Aufnahme im Vorfeld eingespielte Grundakkorde (Gitarre oder Keys) helfen und ihr benötigt nur sehr selten noch einen Click-Track am Studio-Tag.

Je weniger am Ende editiert werden muss, desto besser. Ihr habt mehr Zeit im Studio zur Verfügung, könnt so ggf. noch ein paar Takes mehr aufnehmen, um den Sound zu verbessern oder auch um nicht geplante und spontane Ideen zusätzlich festzuhalten.

Weniger Zeit für die Editierung heißt auch, geringere Kosten für die Nachbearbeitung (wenn ihr einen externen Audio-Engineer beschäftigt) oder weniger Stress für dich, wenn du dieser Aufgabe übernimmst.

  • Orientiere dich an einem „Herzschlag“ für die Aufnahme. Sei es ein Klick-Track oder eine Guide-Spur
  • Übe, übe, übe „in Time“ zu spielen. Das geht nicht von heut auf morgen, doch jeder kann darin besser werden.
  • Mach dich vertraut mit unterschiedlichen Tempi und versuche aus dem Stehgreif auf ein gewünschtes Tempo zu spielen.
  • Erstelle eine Guide-Spur und übe mit dieser Guide-Spur, die du dann auch mit ins Studio nimmst. Es spart dir viel Zeit im Studio und deine Aufnahmen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wesentlich besser verlaufen.
  • Teste zum Songwriting einen virtuellen Drummer (Logic, EzDrummer), aber halte den Groove schlicht bzw. simple.

Links

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  • Wie sind deine Erfahrungen innerhalb einer Band oder als Solo-Artist bzgl. dem „Herzschlag“ in der Musik?
  • Welche Tools nutzt du, um “in time” zu bleiben?

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